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Ein Zielverfolgungssystem (Teil 3)

3.  Messgrößen

3.1 Zieldefinition

Die Ziele des Betriebes werden durch Budgetwerte dargestellt. Diese Budgetwerte leiten sich von direkt messbaren Größen ab, den direkten Messgrößen. Durch Umrechnung werden daraus Beträge ermittelt, die als Zu- und Abgänge in die Budgetkonten eingehen.

Vor der Übernahme eines Zieles in das Zielverfolgungssystem muss sichergestellt werden, dass diese Messgrößen verfügbar sind, entweder durch direkte Übernahme aus einem bestehenden System oder durch manuelle Eingabe als Ausweichmöglichkeit. Ist diese Messgröße nicht verfügbar, kann das Ziel nicht in das Zielverfolgungssystem aufgenommen werden.

Die Messgrößen sind allgemeinverständliche Werte, die aus verschiedenen Quellen, wie zum Beispiel Kostenrechnung, Kalkulation, Qualitätsstatistik und so weiter herangezogen werden. Die Ziele können sich in Größen ausdrücken, die nicht unmittelbar bewertbar sind. Demgemäß unterscheiden wir Kostenziele, leicht quantifizierbare oder bewertbare Ziele und schwer quantifizierbare oder bewertbare Ziele. Einfach quantifizierbare Ziele sind Ziele, für die sich bezüglich des zugrundeliegenden Mengenansatzes (Mengengerüst) verhältnismäßig leicht eine Ziele definieren lässt. Insgesamt gesehen sind diese Ziele durch einfache Größen zu beschreiben. Lassen sie sich auch noch durch monetäre Größen, also in €, bewerten, handelt es sich um leicht bewertbare Ziele.

Bei schwer bewertbaren Zielen handelt es sich um Effekte, die sich erst aus Umrechnungen und meist auch betriebswirtschaftlich wenig fundierten Annahmen und Schätzungen ergeben; zum Beispiel Qualifikation der Mitarbeiter oder die Arbeitstiefe. Für die Quantifizierung dieser Ziele sind Hilfsgrößen zu ermitteln, die teilweise sogar durch eine subjektive Einschätzung bestimmt werden. Diese Ziele können aber wichtig für die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens sein.

Zur Budgetbildung sind diese Ziele, besonders wenn sie monetär bewertet sind, in Punkte umzurechnen. Dazu werden Umrechnungsfaktoren gebildet, die durch die Form Messgröße x Faktor gekennzeichnet sind.

Ziele

direkte Messgrößen

Umrechnung

Quelle der Messgrößen

A. Kostenziele:

A.1 Produktivität erhöhen

Aufwand (€) entsprechend Vorkalkulation

Punkte / €

Nachkalkulation bzw. mitlaufende Kalkulation

Aufwand (€ oder Stunden) / Umsatz (€)

Punkte / €

Nachkalkulation bzw. mitlaufende Kalkulation

A.2 Fertigungskosten senken

Fertigungskosten (€) entsprechend Vorkalkulation

Punkte / €

Nachkalkulation bzw. mitlaufende Kalkulation

A.3 Materialkosten senken

Materialkosten (€) entsprechend Vorkalkulation

Punkte / €

Nachkalkulation bzw. mitlaufende Kalkulation

A.4 Maschinenkosten senken

Maschinenkosten (€) / Stunde

Punkte / €

Ermittlung der Maschinenstundensätze aus dem BAB

B. Auftragsbezogene, leicht quantifizierbare Ziele:

B.1 Qualität

Fehler (Stück) je Anzahl Produkte (Stück)

Punkte / S (€ je Stück)

Qualitätsstatistik

Anzahl Reklamationen (Stück) der Kunden

Punkte / S (€ je Stück)

Qualitätsstatistik

Anzahl Reklamationen (Stück) der QC

Punkte / S (€ je Stück)

Qualitätsstatistik

Aufwand (€) Nacharbeit

Punkte / S (€ je Stück)

Kostenstellen-rechnung, extrahiert nach Perioden

B.2 Termintreue

Tage Verzug

Punkte / Tag

Werkstatt-steuerung

Tage Verzug * Kosten (€)

€/(Tag* €)

Werkstattstunden in Verbindung mit Vorkalkulation

(Tage Verzug * Kosten (€)) aufgeholt

€/(Tag* €)

Werkstattstunden in Verbindung mit Vorkalkulation

C. Auftragsneutrale, leicht bewertbare Ziele:

C.1 Ergebnisverbesserung

Ergebnis (€) je Abrechnungsperiode

Punkte / €

Kostenstellen-rechnung, extrahiert nach Perioden

C.2 Umsatzsteigerung

Umsatz (€) je Abrechnungsperiode

Punkte / €

Finanzbuchhaltung

C.3 Bestandssenkung

Bestandswert (€) pro Umsatz (€) je Periode

Punkte / €

Kostenstellen-rechnung

Bestandswert (€)

Punkte / €

Kostenstellen-rechnung

Bestandswert (€) pro Wert­schöpfung (€) je Periode

Punkte / €

Kostenstellen-rechnung

C.4 Betriebsstoffverbrauch

Verbrauch (€) je Periode

Punkte / €

Kostenstellen-rechnung

senken (nach Art, z.B.

Verbrauch (€) je Umsatz

Punkte / €

Kostenstellen-rechnung

Schmierstoffe. Werkzeuge

Maschinen, Reparaturen)

Verbrauch (€) je Fertigungsstunde

Punkte / €

Kostenstellen-rechnung

Verbrauch (€) je Einheit Wertschöpfung (€)

Punkte / €

Kostenstellen-rechnung

D. Auftragsneutrale, leicht quantifizierbare Ziele:

D.1 Durchlaufzeiten reduzieren

Std. je Auftrag

Punkte / Std.

Werkstattsteuerung

Std. je Auftragswert (€)

Punkte / (€ * Std.)

Werkstattsteuerung

D.2 Fehlzeiten senken

Durchschnittliche Fehlzeit (Std.) je Mitarbeiter

– Punkte / Std.

Personal-informationssystem

D.3 Rüstaufwand senken

Std. je Rüstvorgang (Stück)

Punkte / Std.

Betriebsstatistik

Rüstvorgänge (Stück)/ Periode

Punkte / Stück

Betriebsstatistik

Rüstkosten (€) je Periode

Punkte / €

Betriebsstatistik

D.4 Flächenbedarf senken

Punkte / m²

manuell ermittelt

m² je Mitarbeiter

Punkte / m²

manuell ermittelt

m² je Arbeitsplatz

Punkte / m²

manuell ermittelt

m² je Umsatz

Punkte / m²

manuell ermittelt

D.5 Ausfallzeit senken

Ausfallzeit / Periode

Punkte / Std

Betriebsstatistik

(nach Art, z.B. Werkzeuge, Maschinen,

Ausfallzeit je Betriebsstunden

Punkte / Std

Betriebsstatistik

Reparaturen)

Ausfallzeit je Wertschöpfung (€)

Punkte / Std

Betriebsstatistik

E. Auftragsneutrale, schwerer bewertbare Ziele:

E.1 Erweiterung Arbeitsinhalte

Anzahl Arbeitsplatzeinsätze (Stück) je MA

Punkte / Stück

Betriebsstatistik

E.2 Qualifikation verbessern

mögliche Arbeitsplätze (Stück)  je MA

Punkte / Stück

Betriebsstatistik

mögliche Punkte aus einem Qualifizierungskatalog

Punkte / Punkt

Betriebsstatistik

E.3 Produktionsflexiilität erhöhen

x Tage vor Beginn kostenneutrale Änderung

Punkte / Tag

Betriebsstatistik

E.4 Zeitflexibilität

Streuung der Anwesenheit (Std./Tag Anwesenheit)

Punkte / (Std/Tag)

Personalinformationssystem

E.5 Kontinuierliche Verbesserung

Anzahl Vorschläge (Stück) je Mitarbeiter/ Periode/ Gruppe

Punkte / Stück

Betriebsstatistik

Anzahl angenommener Vorschläge (Stück) je Mitarbeiter und Periode

Punkte / Stück

Betriebsstatistik

Wert der angenommenen Vorschläge (€)

Punkte / €

Betriebsstatistik

E.6 Arbeitsverdichtung

Arbeitsgänge (Stück) je Produkt

Punkte / Stück

Arbeitsplansystem

E.7 Arbeitszufriedenheit verbessern

subjektive Fremdeinschätzung

Punkte / Pkt.

manuelle Ermittlung

E.8 Kommunikation verbessern

subjektive Fremdeinschätzung

Punkte / Pkt.

manuelle Ermittlung

E.9 Motivation verbessern

subjektive Fremdeinschätzung

Punkte / Pkt.

manuelle Ermittlung

 

3.2 Einbindung der indirekten Bereiche

Um mit dem System einen ganzheitlichen Ansatz zu verwirklichen, ist es unbedingt notwendig, die indirekten Bereiche (Vertrieb, Marketing, Konstruktion, AV, F&E) mit einzubeziehen und sie am Prämiensystem partizipieren zu lassen.

Dabei werden folgende Ziele angestrebt:

1. Lukrative Aufträge akquirieren (Vertrieb)

2. Gestaltung innovativer Produkte nach Kundenbedürfnissen (Marketing, Konstruktion, Vertrieb, F&E)

3. Optimale Produktionsplanung bzw. Auftragssteuerung (AV)

4. Senkung der Fixkosten (alle Bereiche)

5. Verbesserung der Kommunikation zwischen direkten und indirekten Bereichen

6. Senken der Durchlaufzeit und Lagerkosten

Dieses Ziel kann durch folgendes Prämiensystem erreicht werden:

Vom Preis der für einen Auftrag am Markt erzielt werden kann, wird ein Gewinnanteil, die Materialkosten, die Produktionskosten und ein Prämienanteil abgezogen. Der restliche Betrag dient zur Deckung der Fixkosten. Wenn die Summe der Restbeträge für einen bestimmten Zeitraum (je nach Durchlaufzeit Monat, Quartal oder Jahr) die Fixkosten im selben Zeitraum übersteigt, können die indirekten Bereiche Prämien aus dem Überschuss erhalten. Parameter müssen so eingestellt werden, dass nur bestimmte Obergrenzen erreicht werden dürfen, weil sonst der ganze Gewinn abgeschöpft wird (Schaubild über Kapitalfluss). Der Prämienanteil, der abgezogen wurde, kann benutzt werden um z.B. Prämien für Unterschreitung der Rahmentermine zu bezahlen. Damit wird also eine Verbesserung honoriert, die für den Betrieb erst in der Zukunft Vorteile bringt (kürzere Durchlaufzeiten können kalkuliert werden).

Marktpreis

– Gewinnanteil

– Materialkosten

– Prämienanteil

Produktionskosten

=  Restbetrag

Ziel: ? Restbeträge (t) > Fixkosten (t)

Das Ziel wird in dem nachfolgenden Schaubild erläutert.

Es wird davon ausgegangen, dass die Fixkosten im Verlauf der Zeit weitgehend konstant sind. Die Restbeträge der einzelnen Aufträge werden den Zeitperioden zugeordnet, in denen sie bilanzmäßig wirksam werden (die Höhe der Fläche repräsentiert den Wert des Restbetrags; die Länge den Zeitraum, in dem der Auftrag abgearbeitet wird). Die Summe der Restbeträge im betrachteten Zeitraum muss nun die Summe der Fixkosten im selben Zeitabschnitt überschreiten, damit Prämien für die indirekten Bereiche fällig werden. Je größer der Restbetrag ist, den die einzelnen Aufträge erzielen, desto schneller wird die Fixkostenlinie überschritten.

Fixkostenlinie Abb.: Prämienableitung für die indirekten Bereiche

Das System hat folgende Auswirkungen auf die indirekten Bereiche:

1.  Vertrieb

Der Vertrieb muss Aufträge akquirieren, die einen möglichst hohen Restbetrag ergeben. Es zählt also die Qualität eines Auftrags und nicht die Quantität. Weiterhin steigt die Wahrscheinlichkeit von Prämien für den Vertrieb, wenn er intensiv mit der Produktionsplanung (Terminsituation) und der Marketingabteilung (schnelle Weitergabe von Kundenwünschen, kurze Reaktionszeit, wieder lukrative Aufträge) zusammenarbeitet.

2.  Marketing

Der Beitrag der Marketingabteilung zur Verbesserung der Prämiensituation besteht in der Bemühung, attraktive Produkte von hoher Qualität in Zusammenarbeit mit Konstruktion und F&E zu konzipieren. Das Niveau von Marketingaktivitäten trägt entscheidend zur Auftragssituation des Unternehmens bei.

3.  AV/Zentrale Produktionssteuerung

Je schneller Aufträge durch die Produktion geschleust werden, desto früher trägt der Restbetrag zur Deckung der Fixkosten bei und kann der nächste Auftrag eingelastet werden. Hauptansatzpunkt ist dabei die Vermeidung von langen Liegezeiten und Produktionswegen. Dadurch werden gleichzeitig die Lagerkosten und die Durchlaufzeiten gesenkt.

4.  Konstruktion/F&E

Konstruktion und F&E können z.B. im Bereich der Materialkosten und Vereinfachung von Montagevorgängen zur Prämienrealisierung beitragen. Je günstiger die Material- und Produktionskosten, desto größer der Restbetrag.

5.  Alle Bereiche

Jeder Bereich kann durch Verbesserungsvorschläge zur Senkung der Gemeinkosten (z.B. Energieeinsparung, Recycling/Müllkosten etc.) die Schwelle, ab der Prämien bezahlt werden, absenken. Durch Intensivierung der Kommunikation zwischen allen Bereichen können bereichsübergreifend und interdisziplinär neue Lösungen zur Verbesserung der Kosten-, Auftrags- und Produktionsablaufsituation gefunden werden.

 

manufactus GmbH in Kooperation mit Helmuth Gienke

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