
Alban Giacomo – Qualität und Komplexität
AGB Alban Giacomo S.p.A. mit Sitz in Romano d’Ezzelino, Italien, ist ein führender Hersteller von Beschlagsystemen für Türen, Fenster und Möbel. Seit Jahrzehnten steht das Unternehmen für Innovation, Qualität und Zuverlässigkeit in der Branche.
Der riesige Katalog mit über 20.000 Produkten, die in sieben spezialisierten Produktionsstätten in Italien hergestellt werden, schafft eine immense Komplexität. Traditionelle, prognosebasierte Produktionssteuerungssysteme (PUSH-System) waren zunehmend überfordert, was zu erhöhten Beständen an unfertigen Erzeugnissen (WIP), schlechter Koordination zwischen den Werken, verlängerten Lieferzeiten und einem Mangel an Echtzeit-Transparenz in den Fertigungsabläufen führte. Um die operativen Prozesse zu optimieren und die Effizienz in der Lieferkette zu steigern, entschied sich AGB, seine manuelle Materialsteuerung durch eine digitale Lösung zu ersetzen und unternehmensweit ein e-Kanban-System einzuführen.

Operativer Druck in einer Umgebung mit hoher Variantenvielfalt
Vor der Digitalisierung nutzte AGB ein manuelles Kanban-System. Dieses basierte auf laminierten A5-Karten, die grundlegende Informationen wie Artikelnummer, Beschreibung und Behältermenge enthielten. Die Kanban-Berechnung erfolgte über eine Excel-Tabelle, die von einer einzigen Person verwaltet wurde. Dieses System stieß zunehmend an seine Grenzen und verursachte mehrere zentrale Herausforderungen:
- Mangelnde Transparenz: Um den Status der Kanban-Kreisläufe zu prüfen, war eine physische Bestandsaufnahme vor Ort notwendig. Eine schnelle, übergreifende Übersicht über kritische Bestände war nicht möglich.
- Informationsbarrieren: Das Wissen über die Materialverfügbarkeit war meist auf die Person beschränkt, die physisch mit den Artikeln arbeitete. Ein effektiver Informationsaustausch war kaum möglich.
- Hohes Fehlerrisiko: Manuelle Karten konnten leicht verloren gehen oder beschädigt werden, was zu Fehlbestellungen oder Materialengpässen führte.
- Fehlende Standardisierung: Verschiedene Abteilungen hatten eigene Kartendesigns entwickelt, was zu Verwirrung und Ineffizienz führte. Das Ziel war klar: AGB benötigte eine Lösung, die auf einen Blick visuell aufzeigt, wo Engpässe drohen und die das Risiko von Materialausfällen proaktiv minimiert.
Strategische Entscheidung zur schlanken Digitalisierung: Warum e-Kanban?
Angesichts des zunehmenden operativen Drucks suchte man nach einer Lösung, die die unmittelbaren Herausforderungen der Produktionssteuerung bewältigen und gleichzeitig mit den langfristigen strategischen Zielen des Unternehmens in Einklang stehen konnte. Nach einer sorgfältigen Evaluierung entschied sich AGB für die Einführung des e-Kanban-Systems IKS. Die Implementierung dauerte etwa vier bis fünf Monate und war von zwei entscheidenden Erfolgsfaktoren geprägt:
- Gezielte Auswahl der Artikel: Anstatt das System sofort flächendeckend einzuführen, begann AGB mit einer kleinen, überschaubaren Auswahl an Artikeln. Dies ermöglichte es dem Team, das volle Potenzial der Software zu verstehen und Vertrauen in die neue Methode aufzubauen. Nach dieser erfolgreichen Pilot Phase wurde das System schrittweise auf eine breitere Palette von Artikeln ausgeweitet.
- Überzeugung der Anwender: Die größte Herausforderung war, die erfahrenen Mitarbeiter im Lager und in der Produktion von der Umstellung zu überzeugen. Anfangs herrschte Skepsis gegenüber dem „unsichtbaren“ Wandel. Durch gezielte Schulungen und die Visualisierung der Vorteile – wie die Reorganisation der Lagerflächen und die Vermeidung von Überproduktion – konnte das Team überzeugt werden. Heute, Jahre später, sind es dieselben Anwender, die proaktiv neue Artikel für die Aufnahme in das e-Kanban-System vorschlagen.
Die Argumente gegen manuelles Kanban
Das manuelle Kanban System war für einen Betrieb von der Größe und geografischen Verteilung von AGB völlig unzureichend. Das e-Kanban System IKS zu implementieren, hatte mehrere Gründe:
- Echtzeit-Transparenz im gesamten Unternehmen: Ein e-Kanban System IKS bietet ein zentrales, digitales Dashboard, das den Status jedes Kanban-Kreislaufs in allen Produktionsstätten in Echtzeit anzeigt. Dies beseitigt das „Black-Box“-Problem und gibt Planern und Managern eine beispiellose Transparenz und Kontrolle.
- Automatisierte und fehlersichere Signalgebung: Anstelle von physischen Karten werden Signale elektronisch über Scanner oder automatisierte Auslöser übertragen. Dies geschieht sofort, eliminiert das Risiko verlorener Karten und beseitigt menschliche Fehlerquellen.
- Nahtlose ERP-Integration: Das moderne e-Kanban-System IKS kann eng mit dem bestehenden ERP-System integriert werden. Dies ermöglicht die automatische Erstellung von Produktionsaufträgen oder Lieferantenbestellungen, was administrative Prozesse rationalisiert und die Datenkonsistenz über Plattformen hinweg sicherstellt.
- Datenerfassung für Analysen: Jede Kanban-Bewegung erzeugt wertvolle Datenpunkte, welche analysiert werden, um Bestände zu optimieren, genaue Durchlaufzeiten zu berechnen, Engpässe zu identifizieren und kontinuierliche Verbesserungen voranzutreiben. Dies passt perfekt zur Identität von AGB als „technologisch fortschrittliche Industrie“ und ihrem datengesteuerten Qualitätsansatz.
Ein phasenweiser Rollout im gesamten Unternehmen
Der Übergang zum unternehmensweiten Einsatz von IKS bei AGB war eine bedeutende strategische Initiative, die durch einen sorgfältig vorbereiteten, mehrphasigen Plan umgesetzt wurde. Dieser Ansatz wurde entwickelt, um Risiken zu minimieren, organisatorisches Momentum aufzubauen, eine nahtlose technologische Integration zu gewährleisten und letztendlich die Prinzipien der schlanken Fertigung tief in der Unternehmenskultur zu verankern.
Das Integrated Kanban System IKS ist heute ein zentrales Werkzeug in den operativen Bereichen von AGB. Es wird sowohl intern zur Steuerung von Halbfabrikaten mit hohem Durchsatz als auch extern in der Zusammenarbeit mit Lieferanten eingesetzt. Derzeit umfasst IKS 340 Kanban Regelkreise mit insgesamt 4.500 Kanban-Karten, die auf 16 Abteilungen/Lieferanten verteilt sind.

Qualitative Erfolge und lustige Anekdote
Die Auswirkungen des Übergangs zu einem digitalen Pull-System waren sofort in den Kernkennzahlen sichtbar, die die Effizienz und Effektivität der Fertigung bestimmen. Auf Basis dieser digitalen Lean-Transformation waren die Ergebnisse tiefgreifend. Optimiert wurden u.a.
- Bestände des WIP
- Liefer– und Durchlaufzeiten
- Materialverfügbarkeit benötigter Komponenten
- Nutzung der Lagerfläche
AGB plant, die Nutzung von e-Kanban konsequent auf alle geeigneten Bereiche auszuweiten. Die einfache und intuitive Benutzeroberfläche hat bei den Mitarbeitern eine hohe Akzeptanz geschaffen.
Eine kleine Anekdote zum Schluss, die uns die Lager-Mitarbeiter hinsichtlich des eingekauften Karton-Verpackungsmaterials erzählen:
Früher: „Wie viele Kartons hast du gekauft? Ich habe keinen Platz mehr, um sie zu lagern – nächstes Mal bringe ich sie zu dir nach Hause!“
Heute: „Wann kommen die Kartons an? Ich habe noch mehrere freie Plätze in den Regalen – ich hoffe, sie kommen nicht zu spät!“






